Religion und Politik oder: Weltgestaltung um der Freiheit willen

Europa befindet sich nicht erst durch den russischen Überfall auf die Ukraine in der wohl größten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Angesichts der Gefahren der Renationalisierung, des Populismus und des Wiederauflebens überwunden geglaubter Konflikte und Spannungen zeigt sich die Notwendigkeit, neu über Europa nachzudenken: Was sind jene Koordinaten, die europäische Identität besonders prägen? Dieser Vortrag diskutiert die Koordinate »Religion & Politik« und somit das komplexe Verhältnis des Religiösen und des Politischen, von Kirche(n) bzw. Religionsgemeinschaften und Staat oder von Heil und Herrschaft. Das Politische ist in Europa nicht der letztgültige Rahmen, sondern eingeordnet in einen weiteren Kontext. Im Vordergrund steht der Mensch mit seiner Freiheit gerade auch in religiösen und weltanschaulichen Fragen. Dies verleiht dem Europäischen einen anti-totalitären, die Würde des Menschen schützenden Grundcharakter – der auch heute oft nicht beachtet und verletzt wird. Gerade angesichts der Krisen liberaler Demokratien weltweit ist es wichtig, die Voraussetzungen der Freiheit nicht aus dem Blick zu verlieren und zu bewahren.
Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt